"Nachhaltige Reisen. Eine Chance für Amazonien!"

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    Harald Schmidt organisiert schon seit Mitte der 2000er Jahre einen sanften und fairen Tourismus in die Amazonas-Region. Er arbeitet eng mit einem Netzwerk aus einheimischen Anbietern zusammen. Daraus sind z. T. langjährige Freundschaften entstanden. Im Interview* erklärt er, warum es gerade jetzt Sinn macht, den Regenwald zu besuchen.

    ??: Harald, seit Wochen brennt es auch in Amazonien. Da fragen sich nun natürlich alle: Kann man da jetzt noch hin reisen? Ist es dort sicher?
    HS: Mein Schwerpunkt ist die Region südlich von Manaus. Dort hat es keine Flächenbrände gegeben, dort ist es sicher. Das belegen auch diese Echtzeit-Satellitenbilder der NASA aus der Region am Jumla-See.
    Es wichtig, dass weiter Touristinnen und Touristen kommen, denn für die Einheimischen, also die Waldbauern und die Indigenen, ist der sanfte und faire Tourismus oft die einzige Einnahmequelle. Sie schützen das Ökosystem, weil sie es lieben und weil sie davon leben. Das findet Nachahmung und damit beginnt jede Veränderung.
    Die Einnahmen aus dem sanftem und fairem Tourismus - für den ich stehe – werden vor allem in die Ausbildung der kommenden Generationen investiert. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Patenkind Stefany (s. o.). Sie möchte Zahnärztin werden und fängt im kommenden Jahr mit dem Studium an. Ohne die Einnahmen aus dem Tourismus wäre das nicht möglich.

    ??: Stichwort Tourismus-Konzept: Kannst Du das mal ein wenig erläutern?
    HS: Die Grundidee ist, einen ‚fairen und sanften Tourismus als Mittel der lokalen Wirtschaftsförderung‘ zu nutzen. Über mehr als 20 Jahre ist in der Region ein Netzwerk mit lokalen Anbietern im Gastgewerbe und anderen touristischen Dienstleistern entstanden. Die sind alle geprüft und verlässlich. Für meine Reiseangebote arbeite ich ausschließlich mit diesem Netzwerk zusammen. Damit ist eine gute Betreuung der Reisenden gesichert, aber auch dass die Einnahmen den Menschen vor Ort zugute kommen.
    Das Ökosystem ‚Amazonas-Regenwald‘ bietet ein inspirierendes Natur-Erlebnis - mit Eindrücken die lange nachwirken. Meine Reiseangebote setzen auf ein Win-Win für alle Beteiligten: einerseits unvergessliche Eindrücke und Erlebnisse in diesem einzigartigen Ökosystem für die Reisenden, aber parallel dazu auch Einnahmen und Entwicklungsperspektiven für die Gastgeber*innen.

    ??: Durch die lange Anreise per Flugzeug entsteht ein ziemlich großer CO2-Abdruck - klimafreundlich ist anders.
    HS: Ja, das ist grundsätzlich richtig. Deswegen ist in allen meinen Reiseangeboten die CO2-Abgabe für AtmosFair bereits enthalten. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Fliegen klimaneutral wird, ist das der einzig machbare Kompromiss.
    Aber wenn nun keiner mehr aus Europa an den Amazonas käme, würde die zarten wirtschaftlichen Blüten zerstört, die sich die Menschen z. B. in der Region Manaus über Jahrzehnte aufgebaut haben. Andererseits hat aber auch das Weltklima nichts davon, denn Abholzungen und Brandrodungen würden dadurch sogar weiter wortwörtlich ‚angeheizt‘.

    ??: Diese Zusammenhang müsstest Du bitte kurz erklären.
    HS: Wenn keiner zum den Regenwald käme, gibt es auch kein wirtschaftliches Argument mehr für den Erhalt des Regenwaldes wie wir ihn heute kennen.
    Dann gewinnen Bolsonaro und die Agrar-Lobby. Die würden den Regenwald lieber heute als morgen abholzen, um darauf gentechnisch verändertes Soja anzubauen oder ihre Rinderherden weiden zu lassen.

    ??: Im Prinzip weiß doch jeder um die Bedeutung des Amazonas als 'Grüne Lunge der Welt'. Warum geschieht das jetzt?
    HS: Die Agrar-Lobby möchte ihr ‚Regenwald-Gen-Soja‘ im Rahmen des Mercosur-Abkommens in noch größerem Umfang als bisher nach Europa exportieren. Schon heute gehen 80% davon als Futtermittel in die deutsche Milch- und Fleischindustrie.

    ??: Was ist dein Rezept dagegen?
    HS: Die Region braucht sanften und fairen Tourismus für nachhaltige Perspektiven in der lokalen Wirtschaft. Dazu möchte ich auch schwierigen Umständen weiter meinen Beitrag leisten und den Menschen am Amazonas zur Seite stehen.
    Ohne die Touristen und die Einnahmen, die sie der Region bringen, stünden einfache Waldbauern und Indigene wieder allein gegen die mächtige Agrar-Lobby.

    ??: Was können wir hier in Deutschland tun?
    HS: Einfache Antwort: Kauft bitte keine Milch- und Fleisch-Produkte aus Massentierhaltung mehr. Damit bekommt man wirksamen Klima- und Regenwald-Schutz in einem. Das ist viel effektiver fürs Klima als auf die Flugreise zum Amazonas zu verzichten.
    Wenn die Nachfrage nach Soja wegfällt, machen weder die Rodungen noch der Anbau Sinn. Deswegen darf das Mercosur-Abkommen in der vorliegenden Form auch nicht ratifiziert werden.
    Die Regenwälder sind die ‚Grüne Lunge der Erde‘ und die leidet unter fortschreitender ‚Schwindsucht‘ - leider wortwörtlich.
    Im Rahmen von Fridays For Future wird dieser Punkt immer lauter thematisiert – das macht Hoffnung und daran kann sich jede/r beteiligen.

    *Das Interview mit Harald Schmidt führte Rob Herff, freier Autor  fürUmweltthemen.

    Mehr zum Thema Schutz für den Amazonas-Urwald unter folgendem Link: https://www.amazonien.org